Noten lernen

Die Notenschrift wirkt auf den ersten Blick kompliziert, besteht aber nur aus wenigen Bausteinen. Wer diese kennt, kann jedes Notenblatt entziffern – langsam zuerst, dann immer schneller.

Was Noten eigentlich aufschreiben

Eine Note hält zwei Angaben gleichzeitig fest: wie hoch ein Ton klingt und wie lange er dauert. Die Höhe ergibt sich aus der senkrechten Lage im Notensystem – je weiter oben, desto höher. Die Dauer ergibt sich aus der Form: ob der Notenkopf ausgefüllt oder hohl ist, ob ein Hals daran hängt und ob dieser Hals Fähnchen trägt.

Alles Weitere – Lautstärke, Tempo, Betonung – kommt als Zusatzzeichen hinzu. Die beiden Grundangaben Höhe und Dauer sind aber der Kern, und mit ihnen beginnt jedes Notenlesen.

Das Notensystem

Noten stehen auf fünf waagerechten Linien, dem Notensystem oder Liniensystem. Dazwischen liegen vier Zwischenräume. Beides sind gleichwertige Plätze: Eine Note sitzt entweder auf einer Linie, dann durchquert die Linie ihren Kopf, oder in einem Zwischenraum. Von Platz zu Platz geht es jeweils einen Tonschritt nach oben.

Neun Plätze reichen selten aus. Für höhere und tiefere Töne gibt es Hilfslinien: kurze Striche, die das System nur für diese eine Note verlängern. Das C unterhalb des Violinschlüssel-Systems ist das bekannteste Beispiel – es sitzt auf einer einzelnen Hilfslinie und begegnet Anfängern gleich in der ersten Stunde.

Der Schlüssel entscheidet, was die Linien bedeuten

Die fünf Linien allein sagen noch nichts. Erst das Zeichen am Zeilenanfang legt fest, welcher Ton auf welcher Linie liegt. Im Violinschlüssel heißen die Linien von unten nach oben E, G, H, D, F; im Bassschlüssel bedeuten dieselben Linien G, H, D, F, A. Dieselbe Note sieht also je nach Schlüssel völlig anders aus.

Der Grund für diese Vielfalt ist praktisch: Ein Kontrabass und eine Flöte liegen mehr als drei Oktaven auseinander. Gäbe es nur einen Schlüssel, müsste eine der beiden Stimmen dauernd mit Hilfslinien geschrieben werden. Ausführlich steht das auf der Seite Notenschlüssel erklärt.

Die Namen der Töne

Im deutschen Sprachraum heißen die sieben Grundtöne C, D, E, F, G, A, H. Danach beginnt die Reihe wieder von vorn, eine Oktave höher. Das H ist eine Besonderheit: International heißt derselbe Ton B, während bei uns B den um einen Halbton tieferen Ton bezeichnet. Woher dieser Unterschied kommt, steht auf der Seite Notennamen erklärt.

Wie lange eine Note dauert

Die Notenwerte bilden eine Halbierungskette. Eine ganze Note dauert so lange wie zwei halbe, eine halbe wie zwei Viertel, eine Viertel wie zwei Achtel:

WertAussehenDauer in Vierteln
Ganze Notehohler Kopf, kein Hals4
Halbe Notehohler Kopf mit Hals2
Viertelnotegefüllter Kopf mit Hals1
Achtelnotezusätzlich ein Fähnchen½
Sechzehntelnotezwei Fähnchen¼

Ein Punkt hinter der Note verlängert sie um die Hälfte ihres Werts: Eine punktierte halbe Note dauert drei Viertel. Zwei oder mehr Achtel nebeneinander werden statt mit Fähnchen oft mit einem Balken verbunden – das ist dieselbe Dauer, nur übersichtlicher gesetzt. Zum Üben gibt es die Seite Notenwerte und Taktarten.

Wenn nichts klingt: die Pausen

Zu jedem Notenwert gehört ein Pausenzeichen gleicher Dauer. Pausen sind kein Leerraum, sondern werden genauso mitgezählt wie Töne. Welche Form welcher Dauer entspricht und warum die ganze Pause unter der Linie hängt, während die halbe darauf sitzt, steht auf der Seite Pausenzeichen erklärt.

Takt und Taktstriche

Senkrechte Taktstriche teilen die Notenzeile in gleich lange Abschnitte. Wie lang ein Takt ist, sagt die Taktart am Anfang, geschrieben als zwei Zahlen übereinander. Die untere nennt den Notenwert einer Zählzeit, die obere ihre Anzahl: Im 3/4-Takt sind es drei Viertel, im 6/8-Takt sechs Achtel. Die erste Zählzeit eines Taktes ist üblicherweise die betonteste – deshalb klingt ein Walzer im 3/4-Takt anders als ein Marsch im 4/4-Takt, obwohl beide dieselben Notenwerte verwenden können.

Vorzeichen: Kreuz, b und Auflösung

Zwischen den Stammtönen liegen Halbtöne. Ein Kreuz erhöht die Note um einen Halbton, der Name bekommt die Endung -is: aus F wird Fis. Ein b senkt um einen Halbton, Endung -es: aus D wird Des. Das Auflösungszeichen hebt beides wieder auf.

Stehen Vorzeichen direkt hinter dem Schlüssel, gelten sie für das ganze Stück und bilden die Tonart. Steht ein Vorzeichen mitten im Takt vor einer Note, gilt es nur bis zum nächsten Taktstrich.

Wie man am besten anfängt

Notenlesen ist Mustererkennung, und Muster lernt man durch Wiederholung in kleinen Portionen. Bewährt hat sich diese Reihenfolge:

  1. Zuerst nur die fünf Linientöne eines Schlüssels, bis sie ohne Nachdenken sitzen
  2. Dann die vier Zwischenräume dazu
  3. Danach die Notenwerte, zunächst nur ganze, halbe und Viertel
  4. Erst zum Schluss Vorzeichen und der zweite Schlüssel

Fünf Minuten täglich bringen mehr als eine Stunde am Wochenende. Auf dieser Seite gibt es dazu den Notenlese-Trainer, die Gehörbildung und die Übung zu Notenwerten und Taktarten – und wer eine Abwechslung sucht, baut sich mit dem Noten-Buchstaben-Rätsel ein eigenes Rätsel.